Bundeswehr im Fokus
Bei den Berufswahltagen der Realschule ist der Informationsbedarf hoch
Die Bundeswehr ist präsent und wird gehört. Fast 40 Mädchen und Buben der Konrad-Adenauer-Realschule interessieren sich bei den Berufswahltagen für die Ausführungen des sportlichen Mannes im Tarnanzug. Es geht um Karriere und Verdienst, Ausbildungsmöglichkeiten und Einsätze sowie die Veränderung der Auftragslage nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine: zurück zur Landesverteidigung.
Auf 50 Firmen an zwei Tagen sind die Berufswahltage der Staatlichen Realschule am Dienstag und Mittwoch gedeckelt. „Bewerber wären es immer mehr“, sagt Organisatorin Ruth Landstorfer. Die Studienrätin hat heuer auch wieder drei Neuzugängen eine Zusage und damit Plattform geben können: Stoiber Heizung/Sanitär, P & S Maschinenbau und Alpha Verteilertechnik.
Gründe, warum Schüler dem Soldaten zuhören
Zurück zur Bundeswehr: Eine Schülerin ist schon gespannt, was sie gleich hören wird. Sie sei interessiert, weil bei der Bundeswehr Beruf und Sport eng miteinander verbunden sind. Ein Schüler ein paar Bänke weiter vertritt wie sein Banknachbar die Meinung, er wolle dem Land etwas zurückgeben und sich deswegen über den Dienst bei der Bundeswehr informieren. Jürgen Bucher ist gekommen, um die Bundeswehr vorzustellen. Der Regensburger gehört seit 2007 dazu, legte sich freiwillige auf zwölf Jahre fest und ist seit 2011 sogar Berufssoldat, also Soldat bis zum Eintritt in die Rente mit 55 Jahren. Vor fast zehn Jahren wechselte der Stabsfeldwebel zur Karriereberatung der Bundeswehr.
In seinem Vortrag geht es ihm nicht nur um den Dienst an der Waffe, sondern auch um die vielen zivilen Ausbildungsmöglichkeiten. Über 50 Berufsausbildungen gibt es, 40 Studiengänge Bachelor/Master. Dass im Zeichensaal der Realschule auch viele Schülerinnen sitzen, hat damit zu tun, dass seit 2001 Frauen zur Bundeswehr zugelassen sind. Aktuell tun 24.000 Soldatinnen Dienst.
Verdienstmöglichkeiten deutlich verbessert
Auffallend ist die zwischenzeitlich gute Verdienstmöglichkeit: 2.260 Euro netto bekommt, wer freiwillig Wehrdienst ableistet, im Monat, bei zwölf Monaten oder länger sind es 2.320 Euro netto. Auch Führerscheine würden refinanziert, 3.500 Euro bei Führerscheinklasse B, 5.000 Euro für den Lastwagenschein.
Die Angst der Leute, dass es irgendwohin auf der Welt in einen gefährlichen Einsatz gehen könnte, so nach Afghanistan oder Mali, sei nicht mehr aktuell, beruhigt Bucher. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine stehe stattdessen die Landesverteidigung im Fokus. Dazu gehört beispielsweise auch die Panzerbrigade 45 in Litauen mit 4.800 Soldaten und 200 zivile Mitarbeitern. Im Drei-Jahres-Turnus werden dort die Soldaten immer wieder ausgetauscht.
Auch studieren könne man bei der Bundeswehr, und zwar an den eigenen Hochschulen in München oder Hamburg, bei anderen Fächern zudem dank Kooperationen in zivilen Universitäten.
Bei der Bundeswehr werde monatlich eingestellt, und die Eignungstests, auch der sportliche, lassen sich leicht bewältigen, wie im Vortrag deutlich wird. Aber auch die Verfassungstreue werde geprüft.
Der Stabsfeldwebel nennt noch ein paar Besonderheiten: kostenloses Bahnfahren, vorausgesetzt, man trägt Uniform, kostenlose ärztliche Versorgung, Unterkunft vor Ort, abgekoppelt vom oft knappen Wohnungsmarkt, Unterstützung auf Staatskosten, wer nach mehreren Jahren die Bundeswehr verlässt, um im zivilen Leben beruflich sesshaft werden zu können.
Am Geld fehlt es offenbar nicht mehr.
(Quelle: Chamer Zeitung vom 12.02.2026)

















